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 Liebe Musikindustrie ... 

Betrifft: Kopiergeschützte Un-CDs

... gestern kaufte ich mir dummerweise die Un-CD "Eurovision Song Contest Istanbul 2004" was ich kurz darauf in meinem Auto bereute. Unglücklicherweise hatte ich ja nach einer Musik-CD und nicht etwa nach einer "Compact Disc Audio" (kurz CDA) gefragt. Also kam ich EMIs Un-CD angedreht. Im Auto wo ich ein seit 2 Jahren wundervoll funktionierendes MP3-Radio habe, ging dann garnichts mehr.
1. Versuch: Un-CD rein ... "NOW READING" ... irgendwann begann der Ton, aber selbst der Sprung zum nächsten vermeintlichen Track brachte in der Anzeige weiterhin TR01. Nachdem ich mich mit dieser hochmodernen Navigationshilfe bis zum "Untertrack" 18 der zweiten Un-CD durchgeqält hatte verging eine Weile. Aber wer modern sein will muß leiden, gell, EMI?
2. Versuch: Un-CD raus und wieder rein ... wow, läuft ohne Probleme. Auch eine Un-CD ist also für Überraschungen gut.

Da ich nun leider zuhause keinen CD-Player außer meinem mit 4 CD-Laufwerken ausgerüsteten PC habe, ging das Spiel zuhause von neuem los. Da ich natürlich "Autorun" ausgeschalten habe, wollte sich der beschissene Cactus-Player mit 48 kBit/s auch garnicht erst aufdrängen.
Aber was nicht ist kann ja noch werden. Ich probiere also alle meine CD-Laufwerke durch und erziele mit "Exact Audio Copy" fantastisch schnelle Ergebnisse in meinem Pioneer (DR-U06S) und meinem Toshiba (SD-M1401) Laufwerk. Leider in beiden Fällen WAV-Dateien ohne einen Mucks.
Der Zweit-CD-Brenner von TDK (CDRW4800B) wollte die Un-CD schonmal garnicht richtig einlesen.
Aber, mein Erst-CD-Brenner ein Plextor (PX-W124TS) las die Un-CD ohne Murren und Knurren ein und spuckte mir ein CD-Image aus von dem ich dann meine ersehnte Kopie der drei für mich interessanten Titel machen konnte.

Also alles paletti könnte man doch meinen, oder?
Nicht ganz, zu den € 15,99 die ich für drei Titel investiert habe (3 von 36) gesellen sich nochmals ca. € 0,70 für einen CD-Rohling, damit ich die Titel auch im Auto geniessen kann. Würde ich nun für die Zeit, welche es mich gekostet hat soweit zu kommen, auch noch Geld veranschlagen, müßte ich von EMI eigentlich noch Geld bekommen für den ganzen Ärger. Im Grunde € 5,33 pro Titel plus jede Menge Ärger um das überhaupt zu geniessen. So geht man heute also mit zahlenden Kunden um, interessant interessant.

Fazit: ich werde mir keine Un-CDs mehr kaufen und ich habe den Damen und Herren von EMI eine sehr höflich gehaltene Mail geschickt (übrigens bevor ich es geschafft habe dank meines alten Plextor-Brenners doch noch auszulesen.


An: kopierschutz@emimusic.de
Betreff: Bzgl. "Eurovision Song Contest Istanbul 2004" Un-CD

Sehr geehrte Damen und Herren,

bitte schicken Sie mir doch die MP3s (128 kBit/s oder besser 192 kBit/s) der
oben genannten Un-CD, die ich mir leider selbst nicht erstellen kann, an
folgende Adresse:

(von mir für diese Webveröffentlichung entfernt)

Da ich einen Auto-CD-Spieler mit MP3-Wiedergabe vor nunmehr zwei Jahren
erstanden habe, würde es mich doch sehr freuen die 3 Lieder wegen derer ich
die vorgebliche Audio-CD kaufte dort auch zu hören. Auch auf dem PC ist es
nicht grad ein Genuss den in 48 kBit/s gequetschten "Songs" zu lauschen.

Eigentlich interessieren mich nur folgende Titel (die Sie mir auch notfalls
gern per EMail zuschicken können - habe noch ca 100 MB in der Mailbox frei):
Un-CD1 - Cyprus "Stronger Every Minute"
Un-CD2 - Turkey "For Real"
Un-CD2 - Ukraine "Wild Dance" (heißt übrigens Wild Dances - also Plural,
kommt von ukrainisch "Dyki Tantsi" was eben auch Plural ist)

Wenn Sie alle Lieder auf einmal schicken, würden 128 kBit ausreichen. Wenn
Sie, was natürlich besser und ausreichend wäre, nur die drei oben genannten
schicken, wäre natürlich 192 kBit/s besser. Da ich mir schließlich die Un-CD
für die drei Titel gekauft habe, was 3 von 36 Titeln sind und die Un-CD
15,99 gekostet hat, ich aber >90% der Titel nicht höre, haben Sie ein gutes
Geschäft gemacht. Die Un-CD können Sie auch gern zurückbekommen, für die
drei Titel bei 192 kBit/s würde ich dann anteilig EUR 1,34 (aufgerundet zu
Ihren Gunsten) bezahlen - im Grunde müßten Sie mir also für diesen Fall nur
EUR 14,65 zurückzahlen.

Alternativ zu oben vorgeschlagenen Methoden können Sie mir natürlich auch
ein Programm oder eine Methode empfehlen, wie ich die Un-CD auslese um mir
meine (mir rechtlich zustehende) Privatkopie zu machen.

Vielen Dank im Voraus - und ein kleiner Tip am Rande: Sie vergraulen sich
mit diesem komplizierten Prozedere die redliche Kundschaft! Erst muß man
sich die EMail-Adresse besorgen, dann einen Brief schreiben. Legen Sie doch
einfach einen vorfrankierten Formbrief zum Ausfüllen jeder Un-CD bei, oder
gleich eine Daten-CD mit MP3s.

Oliver Xxxxxxxxx

PS: Ihre Adresse habe ich aus dem Un-CD-Register der c't, wo ich die Ehre
hatte diese Ihre neueste Un-CD als erster einzutragen.

Da meine Eltern noch einen altmodischen Nur-CD-Player haben, habe ich denen nun die Doppel-Un-CD geschenkt und sie ein wenig glücklich gemacht. Auch wenn ab und an ein paar störende Knacksgeräusche aus dem erst im Januar gekauften Prachtstück kommen. Aber sonst würden wir bei dieser Un-CD ja auch das Schallplatten-Erlebnis vermissen.

Einerseits, liebe Musikindustrie, möchte ich euch also für diese hervorragende Schallplatten-Emulation selbst auf modernsten HiFi-Geräten danken (es knackst immer wieder an anderen Stellen) andererseits möchte ich euch auch mal gern das Schandmaul stopfen aus dem ständig neue Lügen ala "Piraterie macht uns kaputt" herausgesprudelt kommen. Ihr macht euch selbst kaputt! Und ich hoffe es wird funktionieren und es wird eine kundenfreundliche Alternative aus dem Zusammenbruch der traditionellen Musikindustrie hervorgehen. Ohne DRM, ohne "Copy Control". Das wünsche ich mir. Wie schon gesagt, ihr vergrault euch eure Kunden, nicht etwa die Piraten. Die Logik hinter dem Kopierschutz ist etwa vergleichbar mir Schily's Logik, daß die Einführung biometrischer Daten auf EU-Ausweispapieren den Zustrom potentieller Terroristen aus dem Ausland stoppen könnte. Auch er vergrault seine eigenen Bürger, aber besser wird dadurch nichts.

Nun gut, liebe Musikindustrie, ich werde erstmal aufhören, vielleicht hören wir ja noch voneinander - z.B. wenn EMI mir antworten sollte. Aber wahrscheinlich wird die EMail bereits beim EMI-Hausadvokaten nach Geständnissen zu Musikpiraterie (meinerseits) untersucht oder ist in Ablage P verschwunden.

Gruss.

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